Wenn alles plötzlich online geht

Die Digitalisierung ist nicht nur in aller Munde, sie schreitet auch unaufhaltsam voran. Besonders stark erlebt die Finanzbranche den Umbruch. Bankgeschäfte werden von FinTechs übernommen, die Kunden tätigen ihre Aufträge längst selbstständig und ohne Hilfe eines Mitarbeiters. Aber auch die Unterhaltungsbranche bekommt diesen Wandel zu spüren, wie dieser Artikel zeigt. 
Bilder: Getty Images

 

Bei den Banken ergibt sich das Bild schon länger. Spätestens seit der flächendeckenden Einführung des Onlinebankings besuchen Kunden nur noch selten eine Bankfiliale, da sie ihre Aufträge bequem von zuhause aus aufgeben können. Dies schont mitunter die Kostenstruktur einer Bank, da schlichtweg weniger Filialen mit echten Kundenberatern benötigt werden. Doch selbst für Geschäfte, die früher einen persönlichen Termin erforderten, ist heute das Internet der schnelle Partner: 

 

  • Kredite: Sie werden online gesucht, miteinander verglichen und letztlich auch angefragt. Viele Kreditgeber stellen vollständig auf die Onlinevergabe um und haben ihre internen Strukturen darauf ausgelegt. Selbst die Kreditunterlagen werden nun virtuell versendet und unterzeichnet. Das spart einerseits für den Kunden Zeit und bietet ihm bessere Vergleichsmöglichkeiten, Kreditgeber können andererseits Stellen einsparen. 
  • Versicherungsdienstleistungen: Sie gehören zwar nur indirekt zum Finanzsektor, doch auch in dieser Branche ist die Digitalisierung weit vorangeschritten. Wieder suchen und vergleichen Kunden Versicherungen über das Internet und schließen dort die Verträge ab. Da viele Versicherer die Vertragsverwaltung online anbieten, übernehmen praktisch die Versicherungsnehmer sogar einige Mitarbeiteraufgaben. 

In beiden Fällen kommt es zu einer Verringerung echter Anlaufstellen vor Ort. Was bei Banken augenfällig ist, wird bei Versicherungen erst auf den zweiten Blick deutlich. Die Dichte an versicherungseigenen oder unabhängigen Maklerbüros ist deutlich geschrumpft. 

 

Fernsehen: alles auf Abruf

Das lineare Fernsehen gehört in vielen Haushalten längst der Vergangenheit an. Selbst diejenigen, die nicht direkt auf Streamingplattformen wie Netflix zurückgreifen, nutzen gerne Anbieter wie Waipu oder die von Telefonunternehmen herausgegebenen Möglichkeiten, um dann TV zu schauen, wann sie es sich wünschen. Allgemein wächst das Angebot in diesem Bereich überdimensional: 

 

  • Streamingplattformen: Netflix, Maxdome, TV Now oder Amazon Prime setzen vermehrt auf eigene Produktionen und bieten somit ein immer grösser werdendes Angebot. Hinzu kommen weitere Plattformen, die im nächsten Jahr auf den europäischen Markt kommen werden: Disney Plus und der Kanal von MGM. 
  • Streamingdienste:  Dazu könnte auch TV Now gezählt werden, doch geht es in erster Linie um Anbieter wie Waipu, die das normale TV-Programm von unzähligen Kanälen im Stream inklusive der Aufnahmemöglichkeit oder des zeitversetzten Fernsehens bieten. Die Kosten sind gering, das Angebot gewaltig, die Sender werden alle in HD ausgestrahlt und dank des digitalen Rekorders können auch parallel Inhalte geschaut und aufgezeichnet werden. 
  • Sport: Im gewöhnlichen TV werden die Champions League oder andere internationale Wettbewerbe gar nicht mehr gezeigt. Konsumenten sind daher gezwungen, die Streaminganbieter zu nutzen. 

 

 

Kino: Das Gesetz der Serie 

Serien sind für viele Konsumenten die neuen Filme. Das liegt natürlich mit daran, dass Serienproduktionen immer aufwendiger und besser werden, sodass sie sich qualitativ oft gar nicht mehr von Kinofilmen unterscheiden. Viele Menschen geniessen es aber auch, eine möglichst lange Zeit in einer "anderen Welt« zu verweilen oder möglichst viele Abenteuer mit »ihren« Charakteren zu erleben. Viele Filmproduzenten haben dies nun auch für sich entdeckt: 

 

  • Marvel: Zugegeben, das Konzept von Marvel war, ein Universum zu schaffen, das soweit miteinander verzahnt ist, dass sich am Ende ein vollständiges Bild ergibt. Da dieses Konzept auf Comics aufgebaut wurde, ist schwer zu sagen, ob die Masse an Filmen dem Konzept oder der Entwicklung der Zuschauer geschuldet ist. Zusätzlich bringt auch Marvel Serien und Animationsserien heraus. 
  • Star Wars: Auch hier ist teils unsicher, ob das Ei oder die Henne zuerst da waren. Je nach Skript und Notizen war die Saga auf sechs oder neun Filme ausgelegt. Die Stand-Alone-Filme, die sogenannten »Storys« sind jedoch der Serienfilme geschuldet. Auch Lucasfilm geht jetzt aber hin und verzichtet auf Einzelfilme, sondern verlegt diese Geschichten in das Serienformat, welches zusätzlich zu den Animationen produziert wird. 
  • Fluch der Karibik: Das ist eine klassische Filmreihe, die wahrscheinlich auch in den kommenden Jahren fortgeführt wird. 
  • Harry Potter:  Während die ersten Filme auf den Büchern basierten, wird nun mit der Grindelwald-Reihe eine neue Kleinserie geschaffen. 

 

 

Casino: Online-Angebote mit vielen Vorteilen 

Im Casinobereich ist das Internet natürlich vorteilhaft, da Spieler sich nicht an Kleiderordnungen halten müssen oder zuerst eine Spielbank aufsuchen müssen. In der Schweiz wurden nun echte Lizenzen vergeben und die eigentlichen Casinobetreiber forcieren ihr Onlineangebot. Wer sich für Online-Casinos interessiert, findet mehr Infos auf Nachgefragt.net.

 

Wie könnte die Entwicklung weitergehen? 

Die Digitalisierung wird weiter voranschreiten, doch ist in einigen Bereichen damit zu rechnen, dass die »alte Struktur« teilweise erhalten bleibt: 

 

  • Kino: Es ist einfach ein anderes Erlebnis, einen echten Blockbuster auf der großen Leinwand und auch in 3D zu sehen. Nicht wenige Kinogänger zelebrieren ihren Besuch dementsprechend. 
  • Casino: Auch hier wird das klassische Casino wohl erhalten bleiben, da der Besuch ein echtes Event ist. Das Internet kann das Gefühl, welches in einer Spielbank aufkommt, schlichtweg nicht digital ersetzen. 
  • Neue Berufe: Durch die Digitalisierung könnten sich ganz neue Berufe ergeben, die wiederum offline funktionieren. Es ist durchaus denkbar, dass es irgendwann eigene Berater für Film, Fernsehen und Entertainment gibt. 

 

Auf der anderen Seite kann es auch zu einem Stopp kommen, der wiederum zum Zusammenschluss mehrerer Anbieter führt. Umso mehr Streamingdienste auf den Markt kommen, desto schwieriger wird es, Kunden zu binden oder von sich zu überzeugen.

 

Fazit – das Unterhaltungsgefühl verändert sich

Gerade hinsichtlich der abendlichen Unterhaltung verändert sich das Bild durch die Digitalisierung. Echte Kino- oder Casinobesuche werden für bestimmte Tage aufgehoben und wirklich genossen, während die Unterhaltung zu Hause eher auf den schnellen und unkomplizierten Gebrauch ausgelegt ist. Da sich die Vorlieben vieler Menschen ändern und sie vermehrt Serien statt Filme schauen, wird es wohl auch künftig mehr Serienangebote geben.