Während manche Casinos an einen historischen Ballsaal erinnern, wirken andere wie eine schillernde Bar. Es sind dabei nicht allein die Möbel und die Dekoration, die den Unterschied ausmachen. Der eigene und ganz individuelle Charakter des Casinos entsteht erst, wenn Beleuchtung, Klang und Farben aufeinander abgestimmt sind. Wir haben genauer hingeschaut und zeigen, welche gestalterischen Ideen hinter der Inszenierung eines Casinos stecken. Von der ersten Lichtquelle bis zur Musik im Hintergrund.
Bilder: Adobe Stock Ein eigener Look, bis ins kleinste Detail
Im Casino de Monte-Carlo gehören Blattgold, Fresken und kunstvoll gestaltete Glasfenster zur Ausstattung. Solche Details verbinden den Spielbetrieb mit der langjährigen Geschichte des Hauses und verleihen den Räumen eine besondere Eleganz. Ein moderner Bau kann dagegen mit skulpturalen Leuchten und klaren Linien einen ganz anderen Auftritt bekommen.

Wie stark ein einzelnes Kunstwerk einen Ort prägen kann, zeigt das Bellagio in Las Vegas. In seiner Lobby hängt Dale Chihulys Glasinstallation «Fiori di Como», die 1998 für das Haus entstand. Der Name verweist auf Bellagio am Comer See, das dem Resort als Inspiration diente. Die farbigen Glasblüten sind ein unverwechselbarer Blickfang in der Eingangshalle.
Im Internet setzen ausländische Casinos ebenfalls auf eine erkennbare Bildsprache. Dunkle Hintergründe lassen farbige Symbole hervortreten, animierte Spieloberflächen ergänzen den visuellen Eindruck. Bei Liveübertragungen übernehmen Studiokulissen die Rolle der Innenarchitektur. Stoffe, Licht und Kameraperspektiven bestimmen dann, ob der virtuelle Spieltisch eher an einen klassischen Salon oder eine Fernsehshow erinnert. Hinzu kommt bei den virtuellen Anbietern meistens noch ein attraktives Bonusangebot, durch das die Nutzer sich mit mehr Guthaben ins digitale Vergnügen stürzen können.

Licht braucht mehr als einen Dimmer
Ein stimmungsvoller Raum muss keineswegs überall gleich dunkel sein. Interessant wird Beleuchtung durch unterschiedliche Helligkeiten. Sie lenken den Blick und geben einzelnen Bereichen eine eigene Wirkung. Dabei lassen sich drei Aufgaben unterscheiden:
- Grundlicht macht Wege, Treppen und Übergänge gut erkennbar.
- Licht am Spieltisch sorgt dafür, dass Karten, Jetons und Beschriftungen gut lesbar sind.
- Akzentlicht hebt Kunstwerke, Wandstrukturen oder die Konturen einer Bar hervor.

Wie fein diese Abstimmung ausfallen kann, zeigt das Holland Casino Utrecht. Laut dem beteiligten Lichttechnikunternehmen Helvar lassen sich dort 1100 Leuchten in den Spielsälen einzeln regeln. Einstellungen können als Lichtszenen gespeichert und wieder abgerufen werden.
Indirektes Licht über eine Wand wirkt weicher als eine frei sichtbare, grelle Lichtquelle. Auf glänzenden Tischflächen gilt es zudem, störende Spiegelungen zu vermeiden.
Musik gibt dem Abend einen Rhythmus
In einer ruhigen Lounge wird ein anderer Sound als angemessen empfunden als in einer Bar mit Livemusik. Entscheidend sind dabei neben dem Genre auch die Lautstärke und das Tempo. Die Ansagen am Tisch müssen in einem Casino trotz der Lautstärke immer verständlich bleiben. Schliesslich möchte niemand beim Platzieren seines Einsatzes gegen den Refrain ankämpfen müssen.
Dass Musik den Spielrhythmus beeinflussen kann, zeigte ein Laborexperiment mit 101 Studierenden: Bei schneller Musik reagierten die Teilnehmenden beim Setzen zügiger. Unter langsamer Musik setzten sie dagegen insgesamt häufiger. Dieser Versuch zeigt, dass «schnell» und «langsam» unterschiedliche Aspekte des Verhaltens berühren können. Für Unterhaltungsbetriebe bedeutet das, dass eine Playlist Teil des Raumkonzepts ist und ebenso viel Aufmerksamkeit verdient wie die Einrichtung.
Farben wirken zusammen mit ihren Oberflächen
Bordeaux neben dunklem Holz, Gold auf Anthrazit oder ein sattes Blau vor hellen Wänden: Eine Farbe verändert ihren Eindruck mit der Umgebung. Im Utrechter Casino kommen beispielsweise anthrazitfarbene und goldene Deckenpaneele zum Einsatz. Hier wird das Farbkonzept quasi bis über die Köpfe der Gäste fortgesetzt. Räumlich getrennte Bereiche können ausserdem durch wiederkehrende Farbtöne optisch miteinander verbunden werden.
Mit festen psychologischen Interpretationen sollte man allerdings vorsichtig sein: Rot macht nicht automatisch risikofreudig, und Blau beruhigt nicht jeden Menschen. Bei der Beurteilung des Interieurs ist es sinnvoller, auf das Zusammenspiel von Farbflächen, Material, Beleuchtung und Kontrasten zu achten, denn genau dort wird die Gestaltung sichtbar.

Wenn ein Automat akustisch jubelt
Neben der Hintergrundmusik gibt es im Casino eine zweite Klangebene: die Signaltöne der Spiele. Sie markieren Ereignisse und ziehen Aufmerksamkeit auf sich. Ein fröhlicher Ton muss dabei allerdings nicht zwangsläufig einem hohen Gewinn entsprechen. Bereits kleine Gewinnbeträge unterhalb des ursprünglichen Einsatzes werden oftmals durch einen nahezu euphorischen Sound begleitet. Für die ganz hohen Gewinne gibt es dann aber dennoch noch einmal eine Steigerung.
Wichtig ist, den Unterschied zwischen Musik und den Ereignistönen der Spielautomaten zu verstehen. Letztere heben einzelne Dinge während des Spiels hervor, während die Musik die Aufgabe hat, die Grundstimmung zu gestalten.

Die Architektur beeinflusst die Atmosphäre ebenfalls
Bei der Klanggestaltung geht es nicht nur darum, gezielt Sounds zu erzeugen. Eine weitere wichtige Aufgabe ist es, Geräusche zu begrenzen. Harte, glatte Flächen reflektieren den Schall und geeignete Akustikpaneele können den Nachhall deutlich verringern. In Utrecht sind solche Elemente an der Decke angebracht. Der Tischspielbereich wirkt dort vergleichsweise ruhig, während sich auf der Automatenetage zahlreiche Spielgeräusche überlagern.
Bemerkenswert ist auch das Tageslicht im Tischspielbereich. Das verbreitete Bild vom grundsätzlich dunklen, fensterlosen Casino passt hier nicht. Und auch wenn überwiegend abends gespielt wird, wenn es draussen bereits dunkel ist, tragen die grossen Fensterflächen zu einem offenen Raumeindruck bei.