Die Olympischen Winterspiele 2026 sind auf die Zielgerade eingebogen – und was für ein Spektakel sie uns geliefert haben! Wir blicken zurück auf historische Premieren, norwegische Dominanz und eine Schweizer Achterbahnfahrt der Gefühle, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Die Schweiz an der Schlussfeier. Samba im Schnee: Brasiliens historisches Gold
Wer hätte das gedacht? Brasilien feiert seine allererste olympische Winter-Medaille – und dann glänzt sie gleich in Gold! Der charismatische Lucas Pinheiro Braathen schrieb im Riesenslalom Sportgeschichte. Der Sohn eines Norwegers und einer Brasilianerin, der einst für Norwegen startete, kehrte 2024 aus dem Ruhestand zurück, um das Geburtsland seiner Mutter zu vertreten. Mit 0,58 Sekunden Vorsprung auf den Schweizer Favoriten Marco Odermatt sicherte er sich den verdienten Sieg im Riesenslalom und sorgte für den wohl exotischsten und schönsten Gänsehaut-Moment dieser Spiele.

Mikaela Shiffrin: Die emotionale Erlösung
Ganze zwölf Jahre musste die US-Amerikanerin auf einen erneuten olympischen Triumph warten. In Mailand feierte Shiffrin nun ein zutiefst emotionales Comeback an der Weltspitze und krönte sich im Slalom erneut zur Olympiasiegerin. Nach ihrem Sieg als 18-Jährige in Sotschi und ihrem aktuellen Triumph mit 30 Jahren hält sie nun einen beeindruckenden Rekord: Sie ist gleichzeitig die jüngste und die älteste Slalom-Olympiasiegerin der Geschichte.
Klæbos unerbittliche Rekordjagd
Der norwegische Langlauf-Star Johannes Høsflot Klæbo dominiert die Loipe nach Belieben. Bereits seinen fünften Titel dieser Spiele und der zehnte seiner Karriere durfte der Norweger bejubeln. Ihm gelang einen historischen Rekord: Johannes Høsflot Klæbo gewann in allen sechs Disziplinen in denen er antrat die Goldmedaille. Mit insgesamt elf olympischen Goldmedaillen in seiner Karriere ist er somit der erfolgreichste männliche Winter-Olympionike aller Zeiten.

Die Schweizer Achterbahnfahrt der Gefühle
Für das Schweizer Team waren die Spiele in Mailand und Cortina ein wahres Wechselbad der Gefühle. Wo grenzenloser Jubel herrschte, flossen andernorts bittere Tränen der Enttäuschung.
Alpiner Goldrausch: Franjo von Allmens historisches Triple
Das Schweizer Männer-Team drückte den alpinen Wettbewerben eindrucksvoll seinen Stempel auf. Loïc Meillard durfte sich über Gold im Slalom freuen, doch der unbestrittene König der Piste war Franjo von Allmen. Mit sensationellen drei Goldmedaillen in der Abfahrt, der Team-Kombination und dem Super-G schreibt der erst 24 jährige Schweizer Sportgeschichte: Er ist der erste Schweizer Skirennfahrer, dem dieses Kunststück bei einer einzigen Olympiade gelingt.
Marco Odermatt: Medaillen-Glück und verpasste Träume
Der Nidwaldner Ausnahmekönner reiste zwar mit zweimal Edelmetall (Silber im Riesenslalom, Bronze im Super-G) nach Hause, blieb jedoch hinter seinen eigenen, extrem hohen Gold-Erwartungen zurück. Besonders schmerzhaft war die Abfahrt, bei der er als Vierter das Podest nur um Haaresbreite verfehlte.

Eis-Krimis: Lachende Frauen, weinende Männer
Was für ein Nervenkrimi bei den Eishockey-Frauen! Im dramatischen Spiel um Platz drei gegen Schweden sicherte Alina Müller dem Schweizer Team in der letzten Minute der Verlängerung den 2:1-Sieg. Es ist die erste Medaille in dieser Disziplin seit zwölf Jahren. Und als Sahnehäubchen wurde die Schweizerin Andrea Brändli zur besten Torhüterin des Turniers gewählt.

Bitter endete das Turnier hingegen für die Männer-Nati. Die Träume von Captain Roman Josi und seiner Mannschaft platzen im Viertelfinale gegen Titelverteidiger Finnland. Trotz eines starken 2:0-Vorsprungs schaffte es das Team von Patrick Fischer nicht, den Sieg über die Zeit zu bringen. Der lang ersehnte erste Einzug in ein olympisches Halbfinale bleibt damit vorerst ein unerfüllter Traum.

Überraschungs-Coup im Schnee und in der Luft
Auf der Loipe stürmte das Langlauf-Duo Nadine Fähndrich und Nadja Kälin im Val di Fiemme im Teamsprint sensationell zu Silber. Fähndrich machte auf der Schlussrunde grandios drei Plätze gut. Zum Schlusstag gelang dann Kälin noch die Sensation: In einem historischen Rennen sicherte sie sich die Bronzemedaille und ist nun die erste Schweizer Skilangläuferin überhaupt, die eine Olympische Einzelmedaille gewinnten konnte.
Für die grösste Überraschung sorgte Gregor Deschwanden: Er flog im Skispringen sensationell zu Bronze. Es ist das erste Schweizer Edelmetall in dieser Disziplin seit Simon Ammanns magischem Doppelgold im Jahr 2010.

Curling: Die Meister der Herzen
Die Schweizer Curler um Skip Yannick Schwaller spielten sich mit neun Siegen in der Vorrunde souverän in die Favoritenrolle. Sie verpassten zwar den Finaleinzug, sicherten sich aber im kleinen Finale gegen Norwegen die Bronzemedaille.

Auch das Frauenteam um Skip Silvana Tirinzoni zeigte eine hervorragende Round Robin, in der sie ihre Dominanz der letzten Jahre untermauern konnten. Im Finale trafen sie auf die Schwedinnen, die taktisch brillant agierten. Das Spiel blieb bis zum letzten Stein im zehnten End spannend. Im letzten End lag der Vorteil bei den Schwedinnen, welche Anna Hasselborg eiskalt ausnutzen, um den entscheidenden Punkt zum 6:5 zu schreiben. Trotz der knappen Finalniederlage ist diese Silbermedaille ein riesiger Erfolg, da es nach den Weltmeistertiteln der Vorjahre die erste olympische Medaille für dieses spezifische Teamgefüge war.

Ein Wintermärchen der grossen Emotionen
Die Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 haben uns einmal mehr vor Augen geführt, was den Sport so unvergleichlich faszinierend macht: Es ist die unberechenbare Mischung aus purer Freude, historischen Meilensteinen und den unausweichlichen Momenten des Scheiterns. Für das Schweizer Team war es eine Olympiade der Kontraste – geprägt von neuen Helden wie Franjo von Allmen und der unbändigen Willenskraft der Eishockey-Frauen, aber auch von Träumen, die auf dem Eis zerplatzten. Was am Ende bleibt, ist nicht nur der Blick auf den Medaillenspiegel, sondern die Erinnerung an unvergessliche Bilder aus Italien, echtes Fairplay und die Magie des olympischen Geistes.
Schlussfeier in der Arena von Verona
Unter dem Motto “Beauty in Action” verwandelte sich die antike Arena von Verona in eine bildgewaltige Bühne für einen opernhaften Abschluss der XXV. Olympischen Winterspiele. Inmitten der historischen Steinmauern feierten Athleten aus 93 Nationen das Ende von 19 intensiven Wettkampftagen.
Ein besonderer Gänsehaut-Moment für die Schweizer Delegation war der Einzug der Fahnenträgerin: Alina Müller führte das Team mit Stolz in das Amphitheater. Die 27-Jährige hatte sich diese Ehre redlich verdient, nachdem sie die Schweizer Frauen-Eishockey-Nationalmannschaft im Spiel um Platz 3 gegen Schweden mit ihrem entscheidenden Treffer in der Verlängerung zur Bronzemedaille geschossen hatte.

Die Zeremonie bot eine Mischung aus italienischer Tradition und moderner Kunst, mit Auftritten des Startänzers Roberto Bolle und des Sängers Achille Lauro. Zum krönenden Abschluss wurde die olympische Flagge feierlich von den Gastgebern aus Milano-Cortina an die Vertreter der Französischen Alpen 2030 übergeben, wo in vier Jahren die nächsten Kapitel Sportgeschichte geschrieben werden.
Wir sind gespannt, welche Überraschungen, Helden und Heldinnen diese kommende Olympiade in den französischen Bergen hervorbringen wird!