Viele verbinden mit den USA und Kanada vor allem Glitzermetropolen und Einkaufstrips auf schier endlosen Shoppingmeilen. Dabei bietet das weite Land zwischen Pazifik und Atlantik auch die besten Bedingungen für einen Urlaub unter dem Motto „Ruhe pur“.

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Wer könnte jemals sein „Erstes Mal“ in New York City vergessen? Die endlos hohen Wolkenkratzer, die abertausenden Boutiquen voll mit den ausgefallensten und trendigsten Kleidungsstücken – und erst abends, wenn die gefühlt Millionen Lichter der Stadt, die niemals schläft, einen fast schon märchenhaft entrückten Charakter geben. Aber, Hand aufs Herz: Erinnern wir New-York-Urlauber uns nicht auch an die nicht so schönen Seiten? War Manhattan nicht fürchterlich überfüllt von Einwohnern, Geschäftsleuten und Touristen? Die U-Bahn voller Graffiti und ziemlich ruppiger Leute?

Oder wie war es beim ersten Urlaub in Los Angeles? Sahen wir dort wirklich nur gebräunte Surfer-Boys und Filmsternchen, oder auch Schattenseiten wie die ewige Smog-Glocke und das erbarmungslose Verkehrschaos zu praktisch jeder Uhrzeit? Grossstädte auf dem nordamerikanischen Kontinent sind immer eine Gratwanderung zwischen den Superlativen, besonders aus europäischer Sicht. Aber wer bereit ist, von den Attributen „Shopping“ und „Kosmopolitisch“ abzurücken, entdeckt auf diesen tausenden Kilometern zwischen Sea and shining Sea auch noch etwas anderes: Ruhe, Naturwunder und eine Entspannung, die sich auch am schönsten Hotelpool von Thailand nicht finden lässt. Einige dieser Traumziele stellt Stilpalast auf den folgenden Zeilen vor.


Der Smog in LA: Da kann auch die Vielfalt der Läden auf dem Sunset Boulevard nichts dran beschönigen.
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1. Die Wind River Range (Wyoming, USA)


So weit das Auge reicht: Wyoming ist schon ein sehr einsamer Staat – die Wind River Range setzt dem noch einen drauf. ​
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Wir Schweizer sind gern in dem Glauben, dass wir auf unserem Staatsgebiet direkt vor der Haustür mit den Schweizer Alpen die schönsten Berge der Welt hätten – sicherlich ist das nicht ganz falsch, aber über Schönheit lässt sich bekanntlich hervorragend diskutieren. Und: Schöne Gebirgszüge gibt es auch anderswo auf dem Planeten. In den USA gehört dazu vor allem die Wind River Range, eine Bergkette, die zum grossen Ganzen der Rocky Mountains gehört. Was die Wind River Range, oder auch „The Winds“ wie die Einheimischen sagen, so besonders macht: Sie liegt in Wyoming. Dieser Staat, der gut sechsmal so gross wie die Schweiz ist, hat (abgesehen von Alaska) die geringste Bevölkerungsdichte der ganzen US-Staaten mit nur knapp über zwei Einwohnern pro Quadratkilometer.


Die Täler zwischen den Bergkämmen der Winds werden von zahllosen Flüssen und Bächen durchzogen und sind Heimat für unzählige Wildtiere.
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Die Wind River Range packt auf diese Einsamkeit noch eine grosse Schippe drauf: Hier wohnen so gut wie keine Menschen. Das macht die gesamte Region zu dem Traumziel für alle, die einen Urlaub erleben möchten, der eines erlaubt: Den Kopf frei zu bekommen. Daran ändert auch der Status der Winds als Touristenziel kaum etwas: Die paar tausend Menschen, die jährlich dort ihre Ferien verbringen, fallen praktisch kaum ins Gewicht. Dafür aber die grandiose Fauna des grösstenteils als Naturschutzgebiets ausgewiesenen Areals: Bären, Elche und eine Menge weiterer Tierarten, die in Europa praktisch ausgestorben sind, lassen sich hier noch in grosser Zahl beobachten.

2. Die Fjorde (British Columbia, Kanada)


Vom Mount Brunswick aus zeigt sich, wie viele kleine Inselchen nur dieser Ecke der Küste von British Columbia vorgelagert sind.
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Schon mal in Norwegen gewesen? Eingeweihte wissen nämlich, dass dessen gesamte Westküste von Fjorden nur so zerklüftet ist. Für Nichteingeweihte: Das sind Einbuchtungen, mit denen sich das Meer dutzende oder gar hunderte Kilometer tief ins Landesinnere gegraben hat. Und an der Pazifikküste Kanadas lässt sich das in noch viel grösserem Ausmass erfassen: Die Küste des Bundesstaates British Columbia wimmelt nur so von Fjorden bis hinauf zur Grenze von Alaska – und hunderten von kleinen und grossen, oft unbewohnten Inseln. Und an ebendieser Küste verbindet sich die schroffe Schönheit der oft regnerischen, stark bewaldeten Berggipfel, die in scharfen Klippen in den Pazifik abstürzen mit der endlosen Ruhe und Weite eines ebenfalls sehr dünn besiedelten Erdteils. Kühl ist es hier. Der Pazifik, den die meisten vor allem mit sonnigen Stränden verbinden, zeigt hier seine raue, aber nicht minder schöne Seite. Wale lassen sich hier in ihrem natürlichen Habitat beobachten.


Nebel und tiefhängende Wolken sind über den Fjorden und unergründlichen Wäldern British Columbias ein ständiger Begleiter.
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Und über den Wipfeln der allgegenwärtigen Tannen liegt oft Nebel – ein Phänomen, das vornehmlich daraus resultiert, dass weiter östlich die Berghänge des kanadischen Teils der Rocky Mountains die Wolken auf ihrem Weg nach Osten blockieren. Durch die ständige Bewässerung sind die Bäume in British Columbia gigantisch: Dort findet sich beispielsweise einer der grössten Riesen-Lebensbäume, mit einem Stammumfang von unglaublichen 18 Metern.

3. Meere ohne Wasser (Nebraska, USA)


Wie sanfte Wellen wogen Weizen und Mais unter einem endlosen, majestätischen Himmel – ein Erlebnis, das sich nur auf dem offenen Meer reproduzieren lässt.
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Wer kann sich schon vorstellen, einen ganzen Vormittag lang an einem gigantischen Maisfeld vorbeizufahren? Im US-Bundesstaat Nebraska ist aber genau das an praktisch jeder Ecke problemlos möglich: Das Bundesland ist einer der Hauptproduzenten von Mais (eng. Corn) und Weizen. Was das ganze aus touristischer Sicht so einzigartig macht: Die gigantischen Felder und die ebenfalls in diesem Staat häufig vorkommenden Prärieflächen, die von Little Bluestem Gras bedeckt werden, wogen durch den allgegenwärtigen Wind wie ein Meer – ohne einen einzigen sichtbaren Wassertropfen. Ein einzigartiges Naturschauspiel, das jedem eine Gänsehaut bereitet, der es zum ersten Mal mit eigenen Augen sieht.


Nicht anders verhält es sich entlang der weitläufigen, grasbedeckten  Prärie-Flächen.
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Und hinzukommt, dass Nebraska unglaublich weit ist: Das Land hat grösstenteils nur flache Erhebungen. Die endlosen, schnurgeraden Strassen verlaufen sanft gewellt bis an den Horizont. Das gibt einem das Gefühl, inmitten dieser gigantischen Einsamkeit unter einer riesigen Glasglocke aus Himmelsblau zu stehen – und in den Nächten blockiert kein abgestrahltes Stadtlicht den von unzähligen Leuchtpunkten überzogenen Sternenhimmel. Abgesehen davon ist das Leben der Einheimischen, dass sich meist um die Abfolge des Entwicklungszyklus ihrer Pflanzen dreht, von einem unglaublich ruhigen Gleichmass bestimmt: Trotz des hohen Mechanisierungsgrades ticken die Uhren in Nebraska langsamer als in jedem europäischen Land. Und zudem lässt das Freiraum, bei einem Ranchurlaub mal unironisch seinen inneren Cowboy herauszulassen.

4. Prairie und Gebirge (Alberta, Kanada)


Kristallklare Flüsse, unbestiegene Bergwände und Wälder, Wälder, Wälder: Das ist die Landschaft von Alberta und ein Mekka für Trekking-Fans.​
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Der Traum für Wanderer liegt gleich östlich des bereits genannten kanadischen Bundeslands British Columbia: Alberta ist ein State, dessen Charakter sich wohl wie bei kaum einem zweiten so abwechslungsreich zeigt: Sechzehnmal würde die Schweiz in den geographisch vielfältigen Staat hineinpassen. Im Süden bestimmt die Prairie die Landschaft. Und mit ihr die riesigen Ranches, auf denen abertausende Rinder für die Nahrungsversorgung des ganzen Landes gezüchtet werden.


Je weiter man in Alberta nach Norden kommt, desto stärker überwiegen Gletscher und Kälte.
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Je weiter nördlich man jedoch kommt, desto hügeliger wird die Landschaft – und noch um einige Grade einsamer. Ausserhalb der Städtchen und Marktflecken geraten die Wildtiere der Region in die Überzahl. Im Westen liegt der Jasper-Nationalpark – ein Traum für einsame Wanderer, Kanuten und Camper – und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Und wer noch weiter nach Norden fährt, gelangt nach Fort Vermilion – ein Ort, der auf praktisch jeder kanadischen Landkarte zu finden ist, egal wie gross ihr Massstab ist. Das liegt daran, dass Fort Vermilion praktisch die einzige Siedlung in einem Umkreis von mehreren hundert Kilometern ist – und nicht an der Einwohnerzahl von nur gut 700 Menschen. Was diesen kleinen Flecken Erde aber noch so besonders macht: Er ist der älteste Ort des ganzen Bundesstaats, denn er wurde schon 1788 als Handelsposten gegründet – fast hundert Jahre, bevor Kanada ein eigenständiges Land wurde.

5. Der Sumpf und die Plantagen (Mississippi, USA)


In den sumpfigen Seitenarmen des Mississippi werden die Bäume über und über von Louisianamoos bedeckt.​
Bild: © Pierre-Jean DURIEU/fotolia.com

Ziemlich genau 3500 Kilometer südlich von Fort Vermilion sollte man sich als Urlauber lieber extrem luftige Kleidung in den Koffer packen. Im 1716 gegründeten Natchez, im Südosten des US-Bundstaats Mississippi, herrscht im Sommerhalbjahr ein subtropisches Wetter. Temperaturen über 35 Grad und eine Luftfeuchtigkeit, die gen 100 Prozent tendiert, sind hier keine Seltenheit. Doch warum sollte man sich das als an ein mildes Klima gewohnter Schweizer überhaupt antun? Nun, in der Region um Natchez liegt vielleicht das Herz der US-Südstaaten schlechthin. Hier existieren auch heute noch gigantische Baumwollfelder. Und wenn die Samenkapseln dieser unverzichtbaren Nutzpflanze aufplatzen, verwandelt sich die gesamte Region in ein Meer aus weissen Büscheln, welche die sich über Kilometer erstreckenden Felder bedecken. Ein surrealer Anblick – und weil er nicht vor Oktober beginnt, auch für hitzeempfindliche Europäer vom Klima her erträglich.


Je nach Reifegrad der Baumwolle entsteht im Herbst um Natchez der Eindruck, man würde sich in einer schneebedeckten Landschaft befinden.
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In und um Natchez finden sich auch heute noch die südstaatlichen Plantagenhäuser mit ihren riesigen Säulen und der ebenfalls wie bei der Baumwolle schneeweissen Aussenfarbe. Ausserdem ist die Region durch den nahen Mississippi-River nicht nur flach, sondern bietet auch durch diverse Alt- und Seitenarme des Flusses eine einzigartige Sumpflandschaft, durch die Stege führen: Riesige Wälder ragen aus den algenbedeckten Gewässern hervor und lassen den Eindruck einer Urlandschaft entstehen, in die noch kein Mensch jemals einen Fuss setzte. Ein Eindruck, der durch die hier lebenden Krokodile und Alligatoren noch verstärkt wird.

Fazit

Der nordamerikanische Kontinent bietet sehr viel mehr als nur Glitzermetropolen. Schon wenige Kilometer ausserhalb der Stadtgrenzen in USA und Kanada beginnt meist die grosse Menschenleere – und damit ein Urlaub, der von einer fast schon Zen-gleichen Ruhe und tiefer Entspannung geprägt ist.

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